Das Kriebsteinzimmer
Neben der weithin bekannten Burgkapelle aus der Zeit um 1410 gibt es noch eine
weitere Kostbarkeit in der Burg: das Kriebsteinzimmer.
Es handelt sich hierbei um eine einzigartig erhaltene farbig gefasste Bohlenstube
aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Der kleine Raum im dritten Obergeschoss
des Wohnturmes mit den Maßen 3 x 4,30 Metern ist vollständig ausgemalt.
Sowohl die Holzbalkendecke als auch die drei Bohlenwände sind reich mit Rankenwerk
dekoriert, die Sockelszene ist als Vorhangmalerei ausgeführt und an der massiven
Außenwand befinden sich figürliche Darstellungen. (Christophorus und
Pilger).
Den Höhepunkt der Bilderausstattung bildet die Verkündigungsszene nach
dem Lukas - Evangelium auf der Bohlenlängswand: An die vor dem Pult mit aufgeschlagenem
Buch kniende Jungfrau Maria, tritt der Erzengel Gabriel mit dem Redegestus heran
und verkündet ihr die Geburt eines Sohnes, den sie als Jungfrau vom Heiligen
Geist empfangen werde und den sie Jesus nennen solle.
Die drei Bohlenwände des der Öffentlichkeit noch unbekannten Kunstwerkes
wurden im Jahre 1902 vom damaligen Burgbesitzers Baron von Arnim dem Königlichen
Kunstgewerbemuseum Dresden in der Güntzstrasse als Schenkung übertragen.
Dortselbst wurde das rekonstruierte Zimmer als wertvolles Beispiel einer spätgotischen
Raumfassung bis zum Kriege präsentiert.
Es überstand zum Glück die schweren Kriegszerstörungen auch am
Kunstgewerbemuseum und war nach dessen Auszug im im Jahre 1962 nicht mehr für
das Publikum zugänglich. Auf der Burg Kriebstein waren die gleichfalls farbig
gefasste Außenwand, Holzbalkendecke sowie der Holzdielenfußboden verblieben.
Sowohl aus denkmalpflegerischer als auch als museumsdidaktischer Sicht wurden
die Bohlenwände im Jahre 1997 wieder auf die Burg zurückgeführt.
Mit der Wiederherstellung und Restaurierung des kompletten Raumes am Originalstandort
wurde ein außergewöhnliches Kleinod mittelalterlicher Raumgestaltung
in der Burg Kriebstein und damit eine Bereicherung der erlebbaren sächsischen
Kulturlandschaft geschaffen.
Wir danken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die großzügige
Förderung dieses Projektes
